IT-Fachkräftemangel am deutschen Arbeitsmarkt spitzt sich zu

5 Angebote an einem Tag – Das ist laut Schätzungen die durchschnittliche Zahl, die ein gut ausgebildeter Informatiker mit entsprechenden Referenzen und einem gepflegten Profil erhält. So ist es nicht verwunderlich, dass es für Unternehmen immer schwerer wird geeignete Kandidaten am Markt zu finden und für sich zu gewinnen.

Im letzten Jahr wurden 124.000 offene IT-Vakanzen gemeldet, was ein neuer Rekordstand ist! Im Vergleich zu 2018 ist die Anzahl offener Positionen um 51% gestiegen. Das geht aus einer Studie hervor, die der Technologieverband Bitkom veröffentlicht hat. Grundlage ist eine repräsentative Befragung unter mehr als 850 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen in allen Branchen.

Der Fachkräftemangel an IT-Spezialisten betrifft hierbei nicht mehr nur die IT-Branche. Die gesamte Wirtschaft, Verwaltung, Behörden und die Wissenschaft ist auf der Suche nach geeignetem Fachpersonal. Dabei kosten die unbesetzten Stellen jede Menge Geld! Die Umsätze leiden, die Innovationsfähigkeit wird gebremst und damit schrumpft die Konkurrenzfähigkeit unserer gesamten Wirtschaft.

In der Umfrage erklärten 83 Prozent der Unternehmen, dass sie einen IT-Fachkräftemangel feststellen, 65 Prozent erwarten eine weitere Verschärfung der Situation. Besonders gefragt sind Softwareentwickler, jede dritte Organisation (32 Prozent) hat entsprechende Stellen vakant: Programmierung wird in immer mehr Branchen zu einem wichtigen Bestandteil der Wertschöpfung. Aber auch Anwendungsbetreuer, Datenspezialisten und Projektmanager ist stark gefragtes Personal.

Der Grund für den steigenden Bedarf an IT-Fachkräften ist die Digitalisierung. Längst ist es keine Frage mehr, ob sich ein Unternehmen digitalisiert, sondern wie und wann. Welche Formen die digitale Transformation in einem Unternehmen annimmt, reicht von Robotern in menschenleeren Produktionshallen bis hin zu Algorithmen, die die Routenplanung für Logistikunternehmen optimieren.

Der Begriff Digitalisierung bezeichnet ursprünglich die Umstellung von analogen auf digitale Datenverarbeitung. Diese Definition reicht nicht mehr aus. Heute werden die Möglichkeiten der Digitalisierung in sämtlichen Branchen und über alle Wertschöpfungsketten hinweg ausgeschöpft.

Dabei dürfte sich in den nächsten Jahren die Situation kaum verbessern. Es ergreifen im Vergleich zur starken Nachfrage immer weniger Menschen IT-Berufe, nur 27.100 Absolventen schlossen im Jahr 2019 die Hochschule ab. Wir müssen die IT-Berufe für junge Leute interessant machen, vor allem braucht es deutlich mehr Frauen in der Männerdomäne Informatik. Dass Informatiker blass in abgedunkelten Räumen vor ihren Bildschirmen sitzen, ist ein Zerrbild, das endlich aus den Köpfen verschwinden muss. Informatik hat heutzutage viel mit Kommunikation zu tun, es wird in Teams an angewandten Lösungen gearbeitet.

Wir sollten die Informatik noch stärker in den Schulen einbinden und so bereits früh eine altersgerechte Vermittlung der Berufe und der Kenntnisse in der IT erreichen. Fundierte IT-Kenntnisse werden in Zukunft in nahezu jeder Stellenbeschreibung eine Grundvoraussetzung sein. Und ein gewisses Maß an Informatikwissen wird nötig sein, um sich in einer digitalisierten Welt zurechtzufinden.

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